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Hybride Bezahlmodelle im Mobilfunk

Vertrag oder Prepaid – die Grenzen verschwimmen

In den vergangenen Tagen haben alle Mobilfunknetzbetreiber ihre Ergebnisse für das 1. Quartal 2012 vorgelegt. Ein Teil der regelmäßigen Berichterstattung ist dabei immer auch die Kundenentwicklung – und wie üblich sortiert nach Vertragskunden und Prepaid-Kunden. Woher kommt eigentlich diese branchenspezifische Aufteilung nach der Bezahlart; und ist diese überhaupt noch zeitgemäß?

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In den Anfängen des Mobilfunks, ja bis zur Mitte der 2000er war die Logik dahinter ganz einfach: Vertragskunden hatten eine 24-monatige Bindung, zahlten ihre Rechnung am Monatsende und erhielten im Gegenzug dafür günstigere Tarife. Prepaid oder auch „Bezahlkarte“ galt als teuer und die Kunden mussten ihre Guthaben im Vorfeld bezahlen, um Mobilfunkangebote nutzen zu können. Vertragskunden galten als wertvoll, der Wert von Prepaid entstand eher durch die Masse an Kunden.

Alte Gesetzmäßigkeiten gelten nicht mehr

Spätestens 2005 mit dem Eintritt der ersten Mobilfunkdiscounter in den Markt gilt diese Rechnung nicht mehr in dieser Form. Prepaid war plötzlich zuweilen günstiger als ein Vertragstarif. Und da die Mobilfunker sich vermehrt von der Handysubventionierung verabschiedeten und neue Vertriebswege entdeckten, war auf einmal auch die Marge der Vorauszahler ohne feste Bindung attraktiv. Geringe Kosten für den Netzbetreiber und das Geld im Voraus auf dem Konto – eigentlich ein durchaus interessantes Konstrukt. Es lassen sich auch Parallelen ziehen, dass die E-Plus Gruppe mit ihrem Portfolio an Prepaid-Discountern seit 2005 die höchsten Prepaid-Kundenzahlen erzielt und währenddessen auch die stärkste Entwicklung bei Umsatz, EBITDA und Profitmarge ausweist.

Und noch etwas: Auch die bisherige Tarifkonstrukte der einst getrennten Tarifwelten von Post- und Prepaid verschwimmen immer mehr. Inzwischen binden sich auch Prepaid-Kunden über Optionsbuchungen über Monate an ihren Provider oder zahlen bequem im Lastschriftverfahren statt umständlich über Aufladekarten – und auch bei Vertragslaufzeiten im Postpaid gibt es immer wieder Modelle mit Laufzeiten unter 24 Monaten. Und eine weitere Entwicklung stellt die historische Trennung nach Post- und Prepaid in Frage. Inzwischen gibt es auch Vertragsmodelle, in denen Kunden Teile ihrer monatlichen Grundkosten im Voraus – also prepaid – entrichten. So zum Beispiel bei einigen der neu verfügbaren Allnet-Flat im Markt.

Fragwürdige Trennung beim Kundenzählen

Was heißt das jetzt für die Bewertung von Kundenzahlen in den Zahlenwerken der Mobilfunkbetreiber, wenn lukrative und ggfs weniger lukrative Kunden nicht mehr einfach durch ihr Zahlungsmodell zu identifizieren sind? Zumal Kundenzahlen selbst ja noch kein grundsätzliches Erfolgsmerkmal sind, wenn Umsatz, Ergebnis oder Marge nicht entsprechend mithalten. Im 1. Quartal hat die E-Plus Gruppe daher erstmals die Trennung der Kundenzahlen nach Pre- und Postpaid nicht mehr ausgewiesen und damit den genannten Entwicklungen Rechnung getragen. Wer es aber gar nicht ohne ertragen kann, hier die Zahlen mit Stand 31. März 2012: Postpaid: 7,598 Mio. , Prepaid: 15,464 Mio.

 

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