Gesundheit

Die Zahl deutscher und internationaler Studien zu möglichen gesundheitlichen Wirkungen elektromagnetischer Felder nimmt kontinuierlich zu. Bisher haben Wissenschaftler keine Belege dafür gefunden, dass die hochfrequenten elektromagnetischen Felder des Mobilfunks zu einer Gefährdung der Gesundheit führen.

Als zentrale Forschungs-Datenbank weist das EMF-Portal der Universität Aachen derzeit fast 15.000 wissenschaftliche Veröffentlichungen zu Mobilfunk und elektromagnetischen Feldern aus. Im Mittelpunkt sehr vieler wissenschaftlich anerkannter Forschungsarbeiten steht die Frage, ob nicht wärmebedignte Effekte des Mobilfunks unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte existieren und ob sie ein Risiko für die menschliche Gesundheit sein können.

Das Deutsche Mobilfunkforschungsprogramm

Ein sehr wichtiges Projekt für die Beantwortung grundlegender Fragen war das deutsche Mobilfunkforschungsprogramm (DMF). Von 2002 bis 2005 wurden 54 Einzelprojekte aus den Themenbereichen Biologie, Epidemiologie, Dosimetrie und Risikokommunikation umgesetzt und ausgewertet. Finanziert wurde es mit 17 Millionen Euro zu gleichen Teilen von der Bundesregierung und den Mobilfunknetzbetreibern unter der neutralen Steuerung des Bundesamtes für Strahlenschutz.

Sichere Grenzwerte bestätigt

Die deutsche Strahlenschutzkommission kommt zu dem Ergebnis, dass die bestehenden Grenzwerte den Schutz der Gesundheit sicherstellen.

In ihrer 2008 veröffentlichten Bewertung zum Abschluss des Programms betonten die Mitglieder der unabhängigen Strahlenschutzkommission, dass das Deutsche Mobilfunk-Forschungsprogramm gezeigt habe, “dass die ursprünglichen Befürchtungen über gesundheitliche Risiken nicht bestätigt werden konnten. Es haben sich durch die Forschungsergebnisse des DMF auch keine neuen Hinweise auf bisher noch nicht bedachte gesundheitliche Auswirkungen ergeben. In Übereinstimmung mit anderen internationalen Gremien (WHO, ICNIRP) kann festgestellt werden, dass die den bestehenden Grenzwerten zugrunde liegenden Schutzkonzepte nicht in Frage gestellt sind.”

Um noch offenen Fragestellungen nachgehen zu können, sicherten die deutschen Mobilfunknetzbetreiber der Bundesregierung ihre finanzielle Beteiligung an weiteren Forschungen zur Bewertung von potenziellen Langzeiteffekten und zur Wirkung auf Kinder zu.

Was sagt die WHO?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehört zu den wichtigsten internationalen Gremien, die seit Jahren die Forschung zum Thema Mobilfunk begleiten und durch eigene Initiativen unterstützen.

Das im Jahr 2000 von der WHO initiierte internationale Forschungsprojekt Interphone konnte viel zur Beantwortung wichtiger Fragen in Bezug auf die Sicherheit von Mobilfunk beitragen. Es bildete die bislang größte Studie zur Frage, ob der Gebrauch von Mobiltelefonen die Entstehung von Hirntumoren beeinflussen kann. Die Studie wurde in 13 europäischen Ländern unter annähernd gleichen Rahmenbedingungen umgesetzt.

Nach Auswertung aller Ergebnisse kamen die Wissenschaftler zu dem Gesamtergebnis, dass kein erhöhtes Risiko für die Erkrankung an einem Hirntumor bei der Nutzung von Handys festgestellt werden konnte. Gleichwohl wichen einige Einzelergebnisse für die obersten zehn Prozent der Viel- und Dauernutzer von diesem Gesamtergebnis etwas ab. In einer Neubewertung dieser und einiger weiterer begrenzter Hinweise hat daher im Mai 2011 die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), ein Ausschuss der WHO, elektromagnetische Felder auch ohne einen faktischen Nachweis der Gefährdung als “möglicherweise für Menschen krebserregend” eingestuft. Die gleiche Einstufung gilt für eine ganze Reihe von alltäglichen Stoffen.

Diese Einstufung bedeutet lediglich, dass die IARC aufgrund einiger epidemiologischer Studien begrenzte wissenschaftliche Hinweise sieht, die jedoch durch die vorliegenden Ergebnisse aus experimentellen Studien nicht gestützt werden können. Die Einstufung sagt auch aus, dass die vorliegenden Erkenntnisse es nicht erlauben, einen Kausalzusammenhang von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern und Krebserkrankungen als belegt anzusehen.

WHO Factsheet 193

Die WHO hat diese Neubewertung zum Anlass genommen, ihr zentrales Faktenblatt Nr. 193 zu Mobiltelefonen im Juni 2011 zu aktualisieren. Die Organisation weist gleichzeitig darauf hin, dass es trotz intensiver Forschung in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten weiterhin keine wissenschaftlich nachgewiesenen Gesundheitsschäden durch Mobiltelefone gibt.

Wann gelten Studien als wissenschaftlich gesichert?

In der Bewertung möglicher Risiken elektromagnetischer Felder des Mobilfunks gibt es zwischen Wissenschaftlern und Öffentlichkeit, vor allem Medien, meist große Unterschiede.

In der Öffentlichkeit und den Medien wird ein bloßer Hinweis auf einen möglichen Effekt oft bereits als Nachweis eines gesundheitlichen Risikos gewertet. Wissenschaftler dagegen akzeptieren Effekte erst nach mehreren seriösen Kontrollstudien. Bei ihrer Risikobewertung geht es auch um die Frage, ob der Effekt überhaupt eine gesundheitliche Bedeutung hat? Denn nicht jede Wirkung hochfrequenter elektromagnetischer Felder ist automatisch schädlich.

Der wissenschaftliche Weg

Anders als Journalisten müssen Wissenschaftler bei der Bewertung von Studienergebnissen nach einem strengen und festgelegten Schema vorgehen:

  • Sie stützen sich vor allem auf Primärinformationen, z. B. wissenschaftliche Arbeiten, die in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht sind.
  • Sie fragen, ob die Untersuchungsverfahren, auf denen die Arbeiten beruhen, fehlerfrei durchgeführt wurden und den strengen Maßstäben des wissenschaftlichen Vorgehens genügen (z. B. Kriterien der WHO).
  • Sie prüfen, ob eine beschriebene Wirkung auch von anderenWissenschaftlern festgestellt und somit bestätigt werden konnte.
  • Sie gehen der Frage nach, ob die beobachtete Wirkung tatsächlich durch die angenommene Ursache – z. B. durch elektromagnetische Felder – bedingt ist oder ob andere Ursachen dafür in Frage kommen.
  • Sie untersuchen darüber hinaus, ob die Auswirkung gesundheitlich bedeutsam ist und ob die mit Hilfe von Untersuchungen an Zellen oder Tieren gewonnenen Befunde auf den Menschen übertragen werden können.
  • Fachleute stützen ihr Urteil niemals nur auf eine einzelne Arbeit. Sie ziehen vielmehr die Gesamtheit der zu einem Thema existierenden Arbeiten heran. Erst wenn diese Anforderungen erfüllt sind, liegen gesicherte Erkenntnisse vor.

Wenn Sie noch offene Punkte zu den Themen Umwelt und Gesundheit haben, beantworten wir gerne Ihre Fragen.