Sechster UdL Digital Roundtable

Alles im grünen Bereich? Ökologisch nachhaltige Mediennutzung

Am 27. Juni fand im BASE_camp der E-Plus Gruppe der sechste UdL Digital Roundtable statt. Rund 50 Expertinnen und Experten waren zusammengekommen, um sich zu dem Thema „Alles im grünen Bereich? Ökologisch nachhaltige Mediennutzung“ auszutauschen: Was versteht man unter ökologisch nachhaltiger Mediennutzung, kann Mediennutzung überhaupt nachhaltig sein und wenn ja, was ist zu tun, damit Menschen in ihrem persönlichen Mediennutzungsverhalten Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen? Dies waren einige der Fragen, die im Rahmen des Roundtables erörtert wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass das Nachhaltigkeitsbewusstsein vieler Verbraucher noch verbessert werden kann.

Mit dem Roundtable veranstalten die E-Plus Gruppe und die Stiftung Digitale Chancen regelmäßig Expertengespräche zu Entwicklungen und Fragestellungen der digitalen Welt. Für die Veranstaltung am vergangenen Mittwoch konnten die Evangelische Kirche in Deutschland, das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik sowie der Naturschutzbund Deutschland (NABU) als Partner gewonnen werden.

In seinem Eröffnungsvortrag verwies der ehemalige Landesbischof der EKD, Dr. Johannes Friedrich, auf den hohen Stellenwert, der aus christlicher Sicht der Bewahrung der Schöpfung – dem Umweltschutz – eingeräumt werden müsse. Es gebe unverfügbare gesellschaftliche Werte, die im Leben des Einzelnen und der Gesellschaft zum Tragen kommen müssten. Diese seien auch für das Internet nötig. „Wir wissen zwar, was Nachhaltigkeit in Bezug auf den Umgang mit der Schöpfung bedeutet: Wind-, Wasser-, und Sonnen-Energie statt Atomkraft. Was heißt aber Nachhaltigkeit für die Internetnutzung? Für mich geht es hier nicht nur um Technik, sondern auch um Mediennutzung“, so Friedrich. Er zeigte sich überzeugt davon, dass bei der Diskussion zu Nachhaltigkeit und Transformation auch die Medien stärker in den Mittelpunkt gestellt werden müssten. „Wie wir diese Werte auch in diesem Bereich zur Geltung bringen, möchte ich gerne mit Ihnen diskutieren.“

Onlinebefragung zum Nachhaltigkeitsbewusstsein der Verbraucher

Auch diesmal war der Veranstaltung eine Onlinedebatte vorausgegangen, an der sich Interessierte unter www.alle.de/diskussionen beteiligen konnten.

Die Ergebnisse der Online Debatte machen deutlich, dass ein erhebliches Wissensdefizit in der Bevölkerung darüber besteht, wie „grün“ ein Produkt tatsächlich ist. 65,9 % der Teilnehmenden fühlten sich nicht ausreichend informiert oder konnten die Glaubwürdigkeit vorhandener Informationen nicht einordnen. Sie gestanden ein, keine Ahnung darüber zu haben, wie grün Produkte und Anwendungen, die sie nutzen, tatsächlich sind. Ein Informations- und Aufklärungsdefizit ließ sich auch nicht auf ein mangelndes Interesse der Befragten zurückführen. Festgestellt werden konnte, dass Dienste wie das NABU Handy-Ranking, das online darüber informiert, wie grün ein Handy tatsächlich ist, hier einen wichtigen Beitrag leisten können. Die Anzahl derer, der sich hier bewusst informieren ist derzeit aber noch gering.

72 % der Teilnehmer stimmten weiterhin der Aussage zu, dass man für den Fall, dass man sich für ein neues Handy entscheidet, das alte zurückgeben und recyceln lassen sollte. Auch die E-Plus Gruppe hat gemeinsam mit Ihrem Partner, dem NABU, eine Initiative zum Recycling alter Handys gestartet. Gemeinsam werden alte Mobiltelefone eingesammelt, die anschließend zertifiziert entsorgt werden. Für jedes gesammelte Handy bekommt der NABU drei Euro von E-Plus für das Naturschutzprojekt „Renaturierung der unteren Havel“.

Was bedeutet Nachhaltigkeit?

Doch wie viele Leute lassen ihr Handy tatsächlich recyceln? Im Rahmen der Diskussion stellten einige Teilnehmer heraus, dass im IKT-Bereich vielen Verbrauchern die Motivation fehlt, ein grünes Produkt zu erwerben oder alte Handys recyceln zu lassen. Da beispielsweise Handys nicht besonders viel Platz wegnehmen, werden die Geräte zum Teil jahrelang nicht entsorgt. Hilmar Möhlmann, Senior Manager Mobilfunk & Umwelt bei der E-Plus Gruppe, verwies in diesem Zusammenhang darauf, wie schwierig es sei, die richtigen Anreizmechanismen für das Recyceln von Handys zu finden.

Unter den Experten wurde die Frage aufgeworfen, wie mit gebrauchten Handys sowie anderen Endgeräten umzugehen sei. Marina Köhn vom Umweltbundesamt warf den Gedanken auf, ob es sinnvoll sei, neue Endgeräte zu subventionieren. Denn deren Herstellung verbrauche viele Ressourcen. Dem hielten andere Experten entgegen, dass beispielsweise neue Smartphones häufig nicht nur das alte Handy ersetzen, sondern gleichzeitig auch andere Endgeräte, wie bspw. Navigationsgeräte oder Fotokameras substituieren, weshalb die Ressourcenbilanz durchaus positiv zu bewerten sei.

Mike Cosse, Leiter Unternehmenskommunikation und Politik der E-Plus Gruppe, wies zudem auf das Nachhaltigkeitspotential von Cloud-Computing hin. Bereits heute gebe es Notebook-Sharing-Angebote, bei denen die Verbraucher sich ein Endgerät teilen, um auf ihre persönliche Cloud zuzugreifen.

Cloud-basierte Internetdienstleistungen können nach Ansicht vieler Diskussionsteilnehmer dazu führen, dass leistungsschwächere Endgeräte verwendet werden und so ein positiver Umwelteffekt eintrete. Energieeffizientere Rechenzentren oder die von E-Plus komplett mit regenerativen Energien betriebenen Mobilfunkmasten lassen erkennen, dass der Energieverbrauch der IKT-Produkte nicht weiterhin exponentiell ansteigen muss.


Bildquelle: epd

Vorstellung der Studie „Mobilfunk und Nachhaltigkeit“

Ähnliche Potentiale von Informations- und Telekommunikationstechnologien für eine nachhaltige Entwicklung erkennt auch die im Rahmen des UdL Digital Roundtables erstmals vorgestellte Studie „Mobilfunk und Nachhaltigkeit“ von Dr. Bernd Sörries, Forschungsstelle für Mobiles Breitband an der Uni Münster. Darin wird untersucht, wie die Netzbetreiber in Deutschland auf den Klimawandel reagieren. Neben der Analyse von Maßnahmen der Netzbetreiber zur Verringerung des Stromverbrauchs werden auch mobilfunkbasierte Anwendungen im Energie-, Verkehrs- und Gesundheitssektor im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung untersucht. Schließlich stellt die Studie die Aktivitäten der Netzbetreiber bezüglich Nachhaltigkeit im Endkundenmarkt dar. Sörries kommt zu dem Ergebnis, dass die Netzbetreiber mit ihren Geschäftsmodellen bereits auf dem richtigen Weg sind. Gleichwohl könnten diese noch weiter optimiert werden. Hierbei könne der Staat durch geeignete Rahmenbedingungen gewisse Anreize setzen. Um sich abzeichnende Entwicklungen weiter zu fördern, gelte es nach Sörries aber auch, den Wettbewerb auf dem Mobilfunkmarkt weiter zu unterstützen. Nur ein funktionsfähiger Wettbewerb sei Garant für weitere Innovationen, die zur Nachhaltigkeit beitragen.

Nachhaltigkeit erfordert Veränderungsbereitschaft

Der Wissenschaftliche Direktor der Stiftung Digitale Chancen, Prof. Dr. Herbert Kubicek, schlussfolgerte am Ende der Veranstaltung, dass es eine zentrale Aufgabe sei, gewohnte Nutzungsmuster und Verhaltensweisen zu durchbrechen. Zugleich sei auch die Industrie gefordert, Vertriebsmodelle zu entwickeln die sowohl wettbewerbsfähig als auch nachhaltig sind.

Landesbischof a. D. Dr. Johannes Friedrich erklärte schließlich, dass das Internet ein gutes Instrument für sozial nachhaltiges Handeln darstelle. In der Gemeindearbeit sehe er Ansätze für die Vermittlung der Themen: so sei beispielsweise im Konfirmandenunterricht die Nutzung des Handys regelmäßiger Gesprächsgegenstand und der Kontakt zu den jugendlichen per E-Mail schon eine Selbstverständlichkeit. Hier könnten auch künftige Projekte und Maßnahmen anknüpfen, um die Idee der nachhaltigen Mediennutzung weiter in der kirchlichen Arbeit zu verankern.

Bildquelle: epd

Verleihung des EKD- Internetaward WebFish

Dass das Thema Mediennutzung im Internet in der kirchlichen Arbeit eine wichtig Rolle spielt, wurde schließlich durch die im Anschluss an die Expertendiskussion durchgeführte Preisverleihung bestätigt. Bereits zum 16. Mal zeichnen die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und ihr Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) mit dem Internetaward WebFish besonders gelungene christliche Online-Angebote aus.

Die höchste Auszeichnung – der goldene WebFish 2012 – geht in diesem Jahr an  „soziale-berufe.com“, das Berufsorientierungsportal rund um die sozialen und pflegerischen Berufe des Diakonischen Werkes. Mit dem silbernen WebFish wurde das Nachwuchsgewinnungsportal der Nordelbischen Kirche „Die-Nachfolger.de“ ausgezeichnet. Den bronzenen WebFish 2012 teilen sich das Erzbistum Hamburg mit der Dokumentationsplattform „luebeckermaertyrer.de“ und die württembergische Landeskirche mit ihrem Wochenliederportal „Lieder-vom-Glauben.de“. Den von der Evangelischen Kreditgenossenschaft Kassel gestifteten WebFish-Innovationpreis vergab die Jury an die Internetarbeit der badischen Landeskirche für das „Twittagsgebet“. Auch die Urteilsfindung der Jury war durch ein Online-Voting ergänzt worden, an dem über 5000 Online-User teilnahmen.

Weitere Informationen zu der Veranstaltung finden Sie hier.

Ein Gedanke zu „Alles im grünen Bereich? Ökologisch nachhaltige Mediennutzung

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>