Die von KPN und E-Plus mitgegründete globale „Next Generation Mobile Networks“ Alliance feiert ihr fünfjähriges Bestehen – und ihre gelungene Vorarbeit zu LTE.

Next Generations Mobile Networks - NGMN LogoMit LTE steht die Einführung der neuen, nunmehr vierten Mobilfunkgeneration bevor. Sie wird die mobile Datenübertragung auf über 100 Megabit pro Sekunde beschleunigen. Dass sich die Branche weltweit überhaupt auf diese eine Technologie einigen konnte und diese nun relativ zügig an den Start kommt, ist ein wesentlicher Verdienst der 2006 gegründeten Next Gerenation Mobile Networks (NGMN)-Initiative. Dabei haben die E-Plus Gruppe und KPN maßgeblich mitgewirkt.

Wie schön global einheitliche Technik-Standards sind, merkt der normale Mensch immer dann, wenn sie fehlen. Etwa wenn der deutsche Rasierapparat nicht in die australische Steckdose passt, wenn westeuropäische Eisenbahnzüge an der russischen Grenze auf eine andere Spurweite umgesetzt werden müssen, wenn der Computer ein Dateiformat nicht lesen kann.

Oder wenn das Handy im Ausland nicht funktioniert. Das hat es in der Geschichte des digitalen Mobilfunks immer wieder gegeben. Zwar gab es dann irgendwann Endgeräte, die die technische Diskrepanz zwischen unterschiedlichen Netz-Typen überbrückten, aber muss so viel Aufwand überhaupt sein? Eine Frage, die man sich bei Netzbetreibern immer wieder stellte.

Es ist fast zehn Jahre her, da störte Dr. Horst Lennertz, vormaliger Chief Technology Officer (CTO) von E-Plus und seinerzeit CTO von KPN Mobile, noch etwas anderes. „Damals hatten alle Betreiber gerade sehr viel Geld für die UMTS-Lizenzen ausgegeben, und trotzdem verlief die Einführung dieser Technik recht schleppend“, erinnert sich Dr. Horst Lennertz. Die Lieferanten aus der Industrie waren einfach noch nicht soweit und stellten sich ohnehin erst Schritt für Schritt auf die Anforderungen der Netzbetreiber ein. Hinzu kam eine komplexe Patentlage, die die Preise für einzelne Komponenten weiter nach oben trieb. Zudem hatten sich in Europa, Asien und Nordamerika zum Teil ganz unterschiedliche 3G-Standards durchgesetzt.

Aus UMTS-Erfahrungen gelernt
Während die UMTS-Netze langsam entstanden, wurde noch etwas anderes klar: Diese würden nur eine Durchgangsstation sein auf dem Weg zu Netzen für die Datenübertragung auf hohem DSL-Niveau. Die Überlegungen zu einem Netz der 4. Generation begannen. Und dabei sollte manches anders laufen als bei UMTS, fand Dr. Horst Lennertz, der sich darüber mit einem immer größer werdenden Kreis von Experten anderer Netzbetreiber austauschte. Ein Gesprächskreis, der Ende 2006 schließlich zur Gründung der „Next Generation Mobile Networks“ (NGMN) Alliance mit Sitz in Frankfurt führte. „Eine kohärente Vision für die technologische Entwicklung von konkurrenzfähigen Breitband-Mobildiensten jenseits von 3G”, hieß es im September 2006 auf der Website der frisch gegründeten Initiative. KPN/E-Plus, T-Mobile, Vodafone, China Mobile, NTT DoCoMo, Orange und Sprint Nextel waren die Gründungsmitglieder.

„Mit diesem Gremium wollten wir die Interessen der Netzbetreiber von Anfang an noch gezielter einbringen“, erklärt Dr. Horst Lennertz. Mit dem Ziel, den 4G-Netzaufbau kundenorientierter, schneller und kostengünstiger zu machen. Und zugleich einen weltweit gültigen Standard zu erarbeiten.

Zu Beginn drei konkurrierende Technologien
Und das war gar nicht so einfach. Zu Beginn von NGMN waren noch drei unterschiedliche 4G-Standards im Gespräch. Neben dem, was später zu LTE wurde, waren das noch WiMAX sowie eine Weiterentwicklung des nordamerikanischen 3G-Standards, die als Ultra Mobile Broadband (UMB) firmierte. „2007 haben wir alle drei Technologien eingehend bewertet und verglichen, und am Ende erfüllte LTE die von uns Netzbetreibern formulierten Anforderungen am besten“, sagt Dr. Mohammad Shahbaz von der E-Plus Gruppe, der innerhalb von NGMN die wichtige Technik-Arbeitsgruppe leitete. 2008 wurde das Ergebnis veröffentlicht. System- und Endgeräte-Hersteller stellten sich darauf ein, und so entwickelte sich der Markt tatsächlich in Richtung LTE.

Inzwischen hat das Gremium 18 Mitglieder von allen Kontinenten, die zusammen etwa 60 Prozent der weltweiten Mobilfunkteilnehmer repräsentieren. „Für den Erfolg war diese Zusammensetzung mit praktisch globaler Reichweite entscheidend“, betont Dr. Horst Lennertz. Genauso wichtig war der enge Kontakt des Gremiums zu den Herstellern von Netzwerksystemen und Endgeräten, der von Anfang an bestand. Diese mussten schließlich umsetzen, was NGMN formulierte. Und das umfasste nicht nur technische Vorgaben. Das Gremium forderte zum Beispiel auch eine Obergrenze der Patentgebühren, die in einem Produkt stecken dürfen.

„Ihr könnt durchaus stolz sein“
Aber auch für die Hersteller brachte die NGMN-Vorarbeit Vorteile. „Indem die Netzkomponenten- und Endgerätehersteller nun weltweit eingleisig fahren können, haben sie einen geringeren Entwicklungsaufwand“, betont Dr. Mohammad Shahbaz. „Und sie erreichen nun viel höhere Stückzahlen beim Absatz.“ Beides wirke sich wiederum günstig auf die Preise aus – und das freut dann auch die Kunden. Erste Erfahrungen zeigen: LTE ist sowohl schneller als auch kostengünstiger in der Einführung als seinerzeit UMTS. „Die beteiligten Mitarbeiter von der E-Plus Gruppe können durchaus stolz sein, was sie da mit ihrer maßgeblichen Mitarbeit erreicht haben“, findet Dr. Horst Lennertz, der heute dem Aufsichtsrat der E-Plus Gruppe angehört.

Inzwischen sind in vielen Ländern auf regionaler Ebene erste LTE-Netze gestartet. Auch die E-Plus Gruppe nahm erste Standorte im Testbetrieb auf. Trotz aller Standardisierungen im Vorfeld war eines dabei aber nicht möglich: ein weltweit einheitlicher Frequenzbereich. Das hat mit den unterschiedlichen Verfügbarkeiten in den jeweiligen Ländern zu tun. In Deutschland etwa fiel die Wahl faktisch auf Frequenzen bei 800, 1800 und 2600 Megahertz. Inzwischen seien weltweit aber über 40 Frequenzen für LTE definiert und zugelassen worden. Für die Endgerätehersteller ist das eine gewisse Herausforderung. Gefragt sind nun sogenannte Multiband-Endgeräte, ohne die es schnell vorbei wäre mit dem grenzüberschreitenden Roaming. „Ein aktuelles NGMN-Projekt beschäftigt sich mit den Anforderungen an solche Multiband-Lösungen“, erklärt Dr. Mohammad Shahbaz, der auch die entsprechenden „Executive Device Workshops“ bei NGMN leitet.

Wie überhaupt die Arbeit des Gremiums noch lange nicht zu Ende ist. Seit die Wahl 2008 auf LTE gefallen ist, kümmern sich einzelne Arbeitsgruppen um die Detailarbeit für verschiedene Bereiche des Netzaufbaus. Und auch jetzt, während der ersten Gehversuche von LTE, gibt es noch viel festzulegen.

Es bleibt also nach wie vor Einiges zu tun für die NGMN-Akteure. Und überhaupt: Es geht ja nicht mehr nur um LTE. Auch die Weiterentwicklung dieser Netzgeneration steht schon in den Startlöchern. Mit ihr soll das Datentempo eines Tages ein Gigabit pro Sekunde erreichen. Einen Namen gibt es schon: LTE Advanced.

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